20 Jahre nach dem Super Gau
Vor genau 20 Jahren, am 26.April 1986, ereignette sich im heute urkrainischen Gebiet Oblast Kiew eines der schwersten Atomreaktorunglücke in der Geschichte der Wissenschaft.
Im Kernkraftwerk Tschernobyl, gelegen am Fluss und an der vier Kilometer entfernten gleichnamigen Stadt Prypjat, nahmen am 25.April 1986 die Schichtarbeiter ganz normal ihre Arbeit auf und bereiteten ein Experiment vor, in dem geprüft werden sollte, ob bei einem Stromausfall der Reaktor ordnungsgemäß heruntergefahren wird, ohne das etwas verheerendes passieren kann.
In der Nacht zum 26. April kam es dann zu unvorhersehbaren Zwischenfällen, die eine Kernschmelze und eine Explosion auslösten. Diese Explosion sprengte das Tonnenschwere Dach des Reaktors und die Katastrophe nahm ihren erschreckenden Lauf.
Das radioaktive Material wurde in die Luft befördert und verbreitete sich über die Ostblockstaaten und Europa. Selbst 1000 Kilometer vom Unglücksort entfernt, also auch in Deutschland, kam noch Wochen nach der Katastrophe radioaktiver Regen, der sog. “Fallout“, auf die Bevölkerung nieder.
Noch gravierender waren natürlich die Auswirkungen auf die Mensch- und Tierwelt in der unmittelbaren Umgebung des Kernreaktors. Die Stadt Prypjat, dessen Bevölkerung damals zu fast 100% aus den Arbeitern und deren Familien das Atomkraftwerkes bestand, ist heute eine Geisterstadt! Die Stadt ist heute noch in dem Zustand, wie sie einige Tage nach dem Super-Gau verlassen worden ist. Nur die Natur und die Plünderer haben das Bild ein wenig beeinflusst.
Die Informationen des ehemaligen Sowjetunion kamen damals nur sehr schleppend in die Medien und die westlichen Länder. Tage lang war nichts von einem derartigen Unglück “offiziell” bestätigt worden. Skandale über Skandale häuften sich in den Monaten nach der Katastrophe:
Evakuierungen fanden zu spät statt, die Bevölkerung wurde nicht informiert, die 800.000 sog. Liquidatoren, die damals die Aufräumarbeiten des Unglückortes übernehmen mussten, wurden nicht ausreichend vor der Strahlung geschützt, der provisorisch zusammengeflickte Sarkophag, der zum Strahlenschutz über den explodierten Block 4 errichtet worden ist, ist durchlässig und lässt selbst heute immer noch radioaktives Material in die Luft entweichen, die drei noch funktionstüchtigen Blocks von Tschernobyl wurden nach den Aufräumarbeiten wieder hochgefahren (erst Ende 2000 wurde das Kraftwerk auf drängen der EU dann komplett stillgelegt) usw.
Die Liste könnte man noch weiter führen…
Natürlich kann man viel über die Ursachen spekulieren. 100%ig geklärt ist die ganze Sache so oder so noch nicht. Viele bauen auf das menschliche Versagen. Andere sind der Meinung, die Technik sei anfällig und unsicher gewesen. Wieder andere Personen glauben sogar an Theorien, dass eine Hochzeit die Stadt Prypjat in Feierlichkeiten versetzt hat und der Reaktor zum Unfallzeitpunkt unbeaufsichtigt war… na ja!
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Fakt ist aber, dass bei dem Kernreaktor des Typ RBMK 1000 (Reaktor Balschoi Moschnosti Kanalnui; Hochleistungs-Reaktor mit Kanälen mit einer Leistung von max. 1000 MW) gravierende Sicherheitsmängel vorhanden waren, die ihren Teil zu dem Unglück mit beigetragen haben.
Auch heute noch sind, trotz der Katastrophe in Tschernobyl, mehrere RBMK-Reaktoren, jeweils mit Leistungen zwischen 1000 und 1500 (!!!) MW, auf dem Boden der ehemaligen Sowjetunion im Einsatz. Die größten und mächtigsten RBMK stehen in Litauen, genauer gesagt in der östlichen Stadt Ignalina. Obwohl die Reaktoren in Ignalina schon technische Verbesserungen geg. der Baureihe in Tschernobyl eingebaut haben, ist das Sicherheitsrisiko immer noch gravierend hoch. Die Abschaltung der Reaktoren, auf drängen der EU, soll spätestens 2009 erfolgen, obwohl sich das kleine Land mit allen Mitteln dagegen ausspricht. Kein Wunder wenn man bedenkt, dass fast 80% des Stromdedarfs in Litauen durch dieses Kraftwerk gedeckt werden.
Wie dem auch sei. Im Endeffekt sollte man solche Katastrophen nicht vergessen und sich Gedanken über die Sicherheit solcher Anlagen machen. Und dabei meine ich nicht die Reaktoren mit westlichen Sicherheitsstandarts. Eine Liste der aller RBMK Reaktoren weltweit findet Ihr hier. Es handelt sich bei allen Sowjetischen Reaktoren um atomare Zeitbomben…
Filatova Elena Vladimirovna war mit dem Motorrad in der 30km-Sperrzone um Prypjat und in der Geisterstadt selbst unterwegs und hat auf ihrer Internetseite beeindruckene Bild- und Videoaufnahmen bereit gestellt. Desweiteren kann man für einen Obulus ab 25 Dollar bei ihr direkt eine CD inkl DVD bestellen. Darauf enthalten sind circa 230 “High Quality” Bilder aus der Sperrzone plus 2 Stunden Videomaterial. Ich selber werde diese Investition auch noch tätigen.
- Website von Filatova Elena Vladimirovna
- der Unfallherrgang - Chronik geschrieben von Michael Hedtstück und Bernhard Nowak
- Tschernobyl - Fakten, Ursachen. Hintergründe plus Infos über andere Reaktoren
- Atomkraft, Ja bitte!
- Bund gegen Atomkraft
3 Responses to “20 Jahre nach dem Super Gau”
By lotti on Apr 27, 2006
test
By 46halbe on Mai 3, 2006
Es gibt in Berlin grade eine Fotoausstellung zum Thema Tschernobyl, die bemerkswert gut ist. Fuenf Fotographen sind im Willy-Brandt-Haus zu sehen: http://www.tschernobyl2006.de/kunst_details_en.aspx?id=a47bd780-19b4-48ed-a334-35f67364103a
By sabrina on Okt 24, 2006
fischi